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Virtuose Kammermusik beeindruckte ohne große Show
Ruhrnachrichten, von Karsten Mark
CAPPENBERG Virtuosentum darf man erwarten bei einem Festival, das sich der Kammermusik widmet. Was aber bedeutet "virtuos"? "Sicher nicht, möglichst viele Töne in möglichst kurzer Zeit zu produzieren", erklärte Berthold Warnecke, Intendant des Kammermusik-Festivals auf Schloss Cappenberg.
Beim Pfingskonzert am Sonntagabend präsentierte sich das Ensemble dem Publikum erstmals mit einem Gesprächskonzert, bei dem unter anderem Mozart-Vater Leopold ausgiebig zu Wort kam. In seiner „Gründlichen Violinschule“ machte er bereits vor gut 250 Jahren seinem Ärger über falsche Virtuosen Luft, die mit technischen Kunststückchen zu beeindrucken versuchten, den Kern der Musik aber nicht ansatzweise verstanden hätten.
Verständnis für die Inhalte der Musik
Musiker dieses Typs muss beim Cappenberger Festival niemand befürchten. Selbst die jüngsten Debütanten, in diesem Jahr die Geiger Franziska Wenzel und Richard Soldan, beide Schüler von Latica Honda-Rosenberg, beweisen neben technischer Meisterschaft Verständnis für die Inhalte der Musik.
Wieniawskis Études-Caprices für zwei Violinen beeindrucken indes vor allem durch die halsbrecherische Technik, die sie den Interpreten abverlangen – ein bequemer und sicherer Einstieg in ein Konzertprogramm sieht anders aus. Doch die Debütanten verblüffen mit hoher Souveränität und scheinbarer Abgeklärtheit.
Giovanni Guzzo hat seinen jungen Kollegen einiges an Bühnenerfahrung voraus und wagt sich an ein Stück, das er in seinen technischen Anforderungen selber „total crazy“ findet, die Paganiniana-Variationen des Geigen-Virtuosen Nathan Milstein über mehrere Capricen und Konzerte des legendären Teufelsgeigers Niccolò Paganini – beeindruckend!
Auch Pianist Herbert Schuch wagt sich ohne erkennbare Scheu an ein Stück, das für seine „Angststellen“ bekannt ist: die „Funérailles“ aus den „Harmonies poétiques et religieuses“ von Franz Liszt mit ihren gefürchteten Oktavparallelen im Mittelteil. Schuch spielt sie makellos mit erstaunlicher Gelassenheit.
Penibel gesetzte Verzierungen
Dass nicht alles gar fürchterlich halsbrecherisch sein muss, was einer virtuosen Wiedergabe bedarf, zeigt schließlich die Pianistin Cornelia Herrmann. Sie spielt Bachs erste der Französischen Suiten in vollendeter Form mit penibel gesetzten Verzierungen und Phrasierungen. Auch das ist echtes Virtuosentum – ganz ohne große Show.






