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Mirijam Contzen über Festival-Höhepunkte auf Schloss Cappenberg und magische Momente

RN/MZ Kultur 16.06.2010: Interview von Julia Gaß

Mirijam Contzen

CAPPENBERG In großen Konzertsälen ist Mirijam Contzen gern gesehener Gast. Seit fünf Jahren leitet sie das Musikfestival auf Schloss Cappenberg. Julia Gaß sprach mit der 34-Jährigen, die aus Münster stammt, in Lünen Geigenunterricht bekam und in Dortmund ein Stipendium.

Erinnern Sie sich noch an die Dortmunder Mozart-Gesellschaft, deren Stipendiatin Sie 1997/98 waren?
Contzen: Oh ja, natürlich. Frau Schwarz und Herr Wiegmann – das waren tolle Menschen, die sich sehr nett um mich gekümmert haben. Die Zeit ist mir noch sehr präsent. Mir hat das Stipendium wahnsinnig viel gebracht. Das ist genau das, was junge Leute brauchen, wenn sie auf dem Weg sind.

Jetzt sind Sie Festival-Leiterin und gefragte Violinsolistin. Welche Rolle ist Ihnen lieber?
Contzen: Ich sehe mich nicht so sehr als Festival-Organisatorin, mehr als Ideengeberin. Der Alltag eines Solisten ist oft einsam. Es entsteht der Wunsch, sich zu treffen. Das passiert bei dem Festival. Alle, die kommen, sagen „Wow – das ist magisch“. Es ist selten, dass so viele tolle Musiker zusammen sind. Ich genieße es, etwas mitzugestalten.

ie gestalten ja auch etwas Schönes für Kinder.
Contzen: Ja. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ sind bildhaft, das verstehen sie. Und sie dürfen mitmachen, ihren eigenen Vivaldi gestalten. Ich möchte das Programm für Kinder in Zukunft noch ausweiten. Wir arbeiten mit der Musikschule Lünen zusammen, an der ich auch früher Geigenunterricht hatte, und mit Streicherklassen. Auch das ist sehr familiär.

Ihre Zwillinge sind fast zwei Jahre alt. Spielen die schon ein Instrument?
Contzen: Sie haben eine Spielzeuggeige. Beim Festival sind sie auch dabei. Das ist schön, weil andere Musiker auch ihre Kinder mitbringen.

Sie haben gerade eine CD mit Werken unbekannter Mozart-Zeitgenossen eingespielt, die im Herbst erscheint. Was interessiert Sie an den Violinkonzerten von Thomas Linley und Franz Lamotte?
Contzen: Sie haben Musik geschrieben, die an Mozart erinnert, aber einen eigenen Klang hat. Ein bisschen schottisch bei Linley. Es ist seelenvolle, sehr tiefe Musik mit besonderem Charme. Mozart und Linley kannten sich als Jugendliche und haben sich wohl sehr gemocht.

Und seit 2007 spielen Sie auch im Waldstein Quartett.
Contzen: Ja, das ist ein bisschen wie Familie. Wir proben bei mir zu Hause in Bamberg. Man kann sich in einem Ensemble so intensiv austauschen über Musik. Ich möchte kein Musikerleben verbringen, ohne das einzigartige Repertoire für Streichquartett kennen gelernt zu haben.

Was ist für Sie der Höhepunkt des Festivals?
Contzen: Die Chopin-Matinee mit Henri Sigfridsson ist außergewöhnlich. Und das Publikum kann den ganzen Sonntag am Schloss verbringen, zwischen den drei Konzerten spazieren gehen. Es gibt engen Kontakt zwischen Künstlern und Publikum. Ich freue mich auch auf das Konzert bei Kerzenschein am 25. Juni. In drei Teilen erklingt da Musik vom Barock bis zur Spätromantik. In dieser besonderen Atmosphäre.


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