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Höchste Professionalität gepaart mit familiärer Intimität machen Atmosphäre aus
Der Westen | von Barbara Höpping
Höchste Professionalität gepaart mit familiärer Intimität machen Atmosphäre aus - Facettenreiches Eröffnungskonzert
Musik mit Gefühl und Intellekt
Cappenberg. Das „Bravo“ kam nach Brahms. Da war die Anspannung gänzlich weg. Auch die Blässe des Gastgebers Sebastian Graf von Kanitz war aus seinem Gesicht gewichen und Festivalleiterin und Top-Geigerin Mirijam Contzen ließ ein entspanntes Lächeln sehen. Schön war’s wieder, das Eröffnungskonzert des sechsten Musikfestivals Schloss Cappenberg am Dienstagabend im Theater. Höchste Professionalität, gepaart mit dem Angebot nahezu familiärer Intimität zwischen Musizierenden, Gastgeber und Publikum, diese Mischung macht das Cappenberger Festival aus. Hinzu kam das gute Wetter am besonderen kulturhistorischen Ort. Das machte gute Stimmung in Erwartung der Kunst aus „dem Reich des Unaussprechlichen“, wie es Intendant Dr. Bernhard Warnecke in seiner Einführung zitierte. Die Erwartungen des Publikums sind – berechtigt – hoch. Der Anspruch der Künstler ebenso. Vielleicht lag deshalb eine fast greifbare Spannung zu Beginn des Konzerts in der Luft. Zumal die bisweilen vertrackte Rhythmik (Warnecke) des ersten Werkes, der Serenade für Streichtrio C-Dur op 10 von Ernst von Dohnanyi (1877 – 1960) wenig zum Entspannen einlud, sondern schön anstrengendes Hinhören verlangte. Entstanden 1902, sprengt die Komposition Hörgewohnheiten. Mirijam Contzen (Violine), Ulrich Eichenauer (Viola) und Peter Hörr (Violoncello) zeigten sich als eingespieltes Team.
Herbert Schuch ist wieder da. Nach zweijähriger Abwesenheit vom Musikfestival Cappenberg konnte Mirijam Contzen den gefragten Spitzen- Pianisten wieder einbinden. Er mache hier gleichsam Urlaub, sagte der vielbeschäftigte Solist auf internationaler Ebene und er fühle sich geehrt, wieder dabei sein zu dürfen. Zur Eröffnung bildete Schuch mit dem Solo-Flötisten der Bamberger Symphoniker und Ehemann Mirijam Contzens das musikalische Paar für die Sonate „Undine“ von Carl Reinecke (1824 – 1910). Der zierliche Pianomann entlockte dem Flügel ein Stück Himmel auf Erden und Ulrich Biersack verzauberte gleich Pan mit seiner Flöte. Begeisterter Applaus folgte bis zur Pause.
Konzentration und Tempo der vier Sätze des Streichsextetts Nr. 1 B-Dur, op. 18 von Johannes Brahms trieb Mirijam Contzen, Giovanni Guzzo, Dirk Niewöhner, Ulrich Eichenauer, Konstantin Heidrich und Peter Hörr die Schweißperlen auf die Stirn – und raubte dem Publikum den Atem. Die Balance zwischen Stil und Strenge einer Symphonie und der Leichtigkeit einer Serenade gelang perfekt. Das war nicht nur am Spiel, sondern auch von den Gesichtern der Musizierenden ablesbar. Mit Giovanni Guzzo hatte sich Mirijam Contzen einen Geiger an die Seite geholt, dessen Temperament draufgängerische Qualitäten spiegelte – ein echter Violinen-Casanova. Mit einer furiosen Zugabe ging das Eröffnungskonzert zu Ende und der „Vorhang auf!“, wie der Titel ankündigte, zu einem vielversprechenden Pfingstfest im Spannungsfeld von Gefühlen und Intellekt.






