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Ein Abend der Genüsse für Ohren und Magen
Das Musikfestival im Schloss Cappenberg begeisterte rundum. (Der Westen, von Diethelm Textoris)
Cappenberg. Für den zweiten Tag des „Musikfestivals Schloss Cappenberg“ hatten sich die Veranstalter wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Beim Konzert „... in die Nacht“ am Freitagabend boten sie neben musikalischen Leckerbissen auch solche für den Gaumen und mit den erlesenen Weinen vom Weingut des Grafen von Kanitz aus Lorch auch einen besonderen Genuss für Weinkenner.
Der Konzertabend im stilvollen Ambiente der Stiftskirche begann mit der Fantasie Nr. 10 fis-Moll für Flöte von Georg Philipp Telemann, bei der Ulrich Biersack mit seinem virtuosen Flötensolo den kompositorischen Einfallsreichtum des Komponisten und dessen souveränen Umgang mit entlegeneren Tonarten vorstellte. Im Mittelpunkt des Programms stand eine Auswahl aus den Werken von Johann Sebastian Bach, die die musikalische Bandbreite dieses Komponisten erahnen ließ. Im Konzert D-Dur für Oboe, Streicher und Basso Continuo schien die Solistin Zsófia Magyar in ihrem gefühlvollen Spiel auf der Oboe d’Amore die Töne aus den Tiefen der Erde zu holen, um sie dann in den Himmel aufschwingen zu lassen. Nach dem Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen von Bach mit Giovanni Guzzo und Miriam Contzen an den Soloviolinen konnten sich die Zuhörer im Außenbereich den leiblichen Genüssen widmen. Nach fünfundvierzig Minuten kündete ein Jagdhorn das Ende der Pause an. Was jetzt geboten wurde, bezeichneten viele der Zuhörer als Höhepunkt des Abends, denn die außergewöhnliche Instrumentierung der monumentalen „Goldberg Variationen“ von Bach stellte als „Cappenberger Festivalfasung“ eine absolute Premiere dar. Gregor Hollmann spielte die Originalversion für Cembalo, jeweils eingeflochten waren Abschnitte von Dmitri Sitkovetsky für das Streichertrio, das Mirijam Contzen (Violine), Ulrich Eichenauer (Viola) und Peter Hörr (Violoncello) bildeten. Zwischendurch gab es eigene Bearbeitungen für Flöte von Ulrich Biersack. All das verschmolz durch das exzellente Spiel der Solisten in der hervorragenden Akustik der Stiftskirche zu einer harmonischen Einheit.
Die Einführung in die Musik des 20. Jahrhunderts übernahm Pater Alfried, der bat, zwischen dem Streichquartett Nr. 8 von Dmitrie Schostakowitsch und dem „Adagietto“ aus der Synphonie Nr. 5 von Gustav Mahler auf Applaus zu verzichten, um die Stimmung nicht zu zerstören. Mit dem meisterhaften Harfenspiel von Sarah Christ klang nach Mitternacht das Konzert aus, wobei gerade das letzte Musikstück zeigte, dass Klangfülle auch mit wenigen Instrumenten erreicht werden kann.






